Kennen Sie Langweiler

Ich sitze in einem Seminar. Eben war gerade ein super interessanter Redner dran. Ein Mensch, mit sehr viel Charisma, der unendlich fesselt und begeistert. Klasse, da kommt so viel rüber. Man ist begeistert und es ist unendlich inspirierend. Oh Schreck, wer kommt denn jetzt? Nein, nicht das Aussehen, sondern wie läuft denn der gute Mann nach vorne. Er scheint schon uralt zu sein, obwohl er noch in einem jungen Körper steckt. Der erste Eindruck täuscht nicht. Er wirft den Beamer an und die ersten Folien knallen auf die Leinwand. Wie nett von ihm, dass er uns, dem Auditorium alles vorliest. Das hat den Vorteil, dass wir nicht selbst lesen müssen. Er steht steif am Rednerpult und hält sich daran fest. Das kann ja lustig werden. Das Thema per se super interessant, nur der Vortragende. Na ja, vielleicht bin ich als Erfolgs-Coach und Rhetorik-Spezialist ja zu anspruchsvoll. Das kann gut sein. Ich schaue in die Runde und denke, hallo lieber Ernst du fühlst völlig richtig. Einige spielen mit ihren Handys oder Blackberrys. Andere lesen irgendetwas. Einige haben sogar die Augen geschlossen, um anscheinend dem Vortrag besser folgen zu können. Andere stehen auf und gehen raus. Einige reden mit dem Nachbarn. Jetzt bin ich gespannt, was unser professioneller Vortragender macht. Nichts, gar nichts, er starrt seine Folien an, liest diese vor und schaut ab und an ins Auditorium. Unglaublich, wie kann man nur so unterwegs sein. Das ist reine Körperverletzung. Ich will ihm etwas sagen, denke, komm lass es. Er wird es nicht verstehen, denn sonst würde er niemals solch ein Verhalten an den Tag legen. Die erste Frage lautet doch bei jedem Vortrag oder Seminar: „Was haben die Teilnehmer davon, dass es mich gibt?“

geschrieben von Ernst CrameriPermalinkKommentar hinterlassen »

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